Kühl-Container sind aus der Logistikbranche nicht mehr wegzudenken. Sie bieten die Möglichkeit, Kühlware mit einer definierten Temperatur zu transportieren und den Temperaturverlauf zu überwachen.
Gegenüber früher, als die Kühlung noch über das Transportmittel erfolgen musste, sind die heutigen Integral-Container einfacher zu handhaben. Das Kühlaggregat ist in den Container eingebaut, was den geringen Nachteil hat, dass weniger Stauraum zur Verfügung steht, weil die äußeren Abmessungen genormt sind.
Der Aufbau eines Reefer Containers
Die beiden Bilder zeigen einen typischen Kühlcontainer Typ 45R1 mit integriertem Kühlaggregat an der Stirnseite.
Der Blick in den Innenraum zeigt die Verkleidung aus Aluminium und den Boden bestehend aus Alu-Grätings. Diese Bodenart dient hauptsächlich der Luftführung.
Die Markierungen etwas unterhalb der Decke zeigen, wie hoch die Ladung maximal gestaut werden darf, um die Luftzirkulation nicht zu behindern. Die Markierung kann auch als Linie ausgeführt sein. Die Art der Ausführung ist nicht definiert.
Besonderheiten bei der Ladungssicherung
Die Ladungssicherung ist etwas schwierig, weil der Kühlcontainer nicht über die üblichen Zurrpunkte am unteren und oberen Längsträger verfügt. Er ist ausgelegt für das formschlüssige und vollständige Ausfüllen des Laderaumes.
Eine weitere Besonderheit ist der Boden. Er besteht aus Grätings in Längsrichtung, um die Luftzirkulation im Container sicherzustellen.
Die erwärmte Luft wird vom Aggregat oben angesaugt, im Aggregat abgekühlt und unten wieder in den Grätingboden gepresst.
Die Leistung des Aggregats ist nicht dafür ausgelegt, eine Ladung auf die Zieltemperatur abzukühlen, sondern die Ladung auf der Temperatur, die sie zum Zeitpunkt des Stauens hat, zu halten. Vor allem Palettenware sollte so gestaut werden, dass die Luft auch zwischen den Ladungsteilen nach oben strömen kann.
Die Zwischenräume bei dieser Ladung lassen eine ausreichende Luftströmung nach oben zu. Die stehenden Paletten als Abstandshalter und Lückenfüller begünstigen dies.
Die maximale Stauhöhe zu beachten ist essentiell, um die Temperaturführung während des ganzen Transportverlaufs sicherzustellen.
Wenn das formschlüssige Stauen im Container nicht möglich ist, muss auf andere Hilfsmittel zurückgegriffen werden. Lashings sind Standardanwendungen die auf das Vorhandensein von Zurrpunkten angewiesen sind.
Genau diese Zurrpunkte sind das Ungewisse. Sie sind nicht in allen Kühlcontainern enthalten. Es ist entscheidend, bei der Beschaffung des Containers darauf hinzuweisen, dass Zurrpunkte erforderlich sind. Die Reederei oder der Spediteur sollten über deren Belastbarkeit informieren können.
Die Pfeile zeigen auf Stege im Grätingboden, die für das Anbringen von Lashing vorgesehen sind. Sie sind nicht genormt oder Standardisiert.
Die Position am Boden ist nicht einheitlich, sondern weicht von Hersteller zu Hersteller ab. Auch die Zugfestigkeit (LC) ist nicht definiert. Im Zweifelsfall ist die Rücksprache mit dem Hersteller, Reeder oder Spedition unverzichtbar.
Beim Einsatz von Staupolstern muss darauf geachtet werden, dass der Innendruck auch auf Temperaturschwankungen reagiert.
Ist die Temperatur zum Zeitpunkt des Stauens relativ hoch und wird dann durch das Kühlaggregat stark abgesenkt kann es zu Problemen durch Druckabfall kommen. Das muss bei der Transportplanung berücksichtigt werden.
Zurrpunkte
Am Markt werden verschiedene Zurrpunkte angeboten. Hierbei kommt es darauf an, die Verwendungshinweis des Herstellers zu beachten, bzw. zu erfragen.
Dieser Zurrpunkt ist zum Anschlagen von Lashbändern für das Niederzurrverfahren ausgelegt.
Zu einem geringeren Anteil kann die senkrechte Kante auch für den Formschluss genutzt werden.
Die Grafik zeigt, wie der Zurrpunkt von der Türseite in den Grätingboden geschoben wird.
Die Ringschraube muss mit einem festgelegten Drehmoment in das Wiederlager geschraubt werden, um die Reibung über den Anpressdruck zu erhöhen.
Die Herstellerangaben unbedingt beachten.
Spezielle Staupolster für Reefer-Container
Ein weiteres System um Ladung zu sichern, basiert auf luftgefüllten Staupolstern. Das sogenannte „SAM-System“.
Es besteht aus zwei miteinander verbundenen Staupolstern, welche auf den Außenseiten zusätzlich mit rutschhemmendem Material beschichtet sind, wodurch zu den Containerwänden, neben dem Formschluss, auch eine zusätzliche Reibkraft entsteht.
Die seitlichen Staupolster sind, vor allem beim Türseitigen System, mit einer stabilen Plane verbunden, welche die Ladung zusätzlich sichert. Bei kleinteiligen Ladungen kann eine Plane auch an der Oberseite zweckmäßig sein.
Die Bemaßung muss so konfektioniert werden, dass die Querplane nach dem Befüllen straff gespannt ist.
Das S.A.M. System wird anwendungsspezifisch konfektioniert.
Fazit
Das verladende Unternehmen muss sich also Gedanken machen, wie seine Produkte im Kühlcontainer gesichert werden können, damit die Vorgaben des CTU-Code erfüllt werden.
Die Reederei und die Kontrollbehörden im Hafen orientieren sich an diesen Vorgaben. Im Zweifelsfall geht der Container nicht an Bord. Diese Verzögerung kann unangenehm hohe Kosten verursachen.
Es ist sicher billiger, sich vorher über eine vernünftige, zweckmäßige und sichere Lösung mit den Experten zu verständigen.
Ihr Sigurd Ehringer
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Sigurd Ehringer
✔ VDI-zertifizierter Ausbilder für Ladungssicherung ✔ Fachbuch-Autor ✔ 8 Jahre Projektmanager ✔ 12 Jahre bei der Bundeswehr (Kompaniechef) ✔ 20 Jahre Vertriebserfahrung ✔ seit 1996 Berater/Ausbilder in der Logistik ✔ 44 Jahre Ausbilder/Trainer in verschiedenen Bereichen —> In einer Reihe von Fachbeiträgen aus der Praxis, zu Themen rund um den Container und LKW, erhalten Sie Profiwissen aus erster Hand. Wie sichert man Ladung korrekt und was sind die Grundlagen der Ladungssicherung? Erarbeitet und vorgestellt werden sie von Sigurd Ehringer, Inhaber von SE-LogCon.