Folge 40: Wie vermeidet man den Dominoeffekt bei der LKW Beladung?

Viele kennen vielleicht noch die TV-Sendungen, bei denen möglichst viele Dominosteine aufgestellt wurden, ohne dass sie umfielen, um neue Rekorde aufzustellen.

Der Domino-Effekt ist ein Schadensbild das sich als Folge einer LKW-Vollbremsung bei bestimmten Ladungen ergibt. Der heutige LaSi-Blog beschäftigt sich mit den Ursachen und den Maßnahmen, welche zur Vermeidung bzw. zur Vorbeugung getroffen werden können.

Der Dominoeffekt

Bei den Grafiken wird die Bremsrichtung immer nach links angenommen.

Eine Ladung, die mit Lücken gestaut wird oder weil sich die Lücken aus schlecht gepackte Ladeeinheiten ergeben, wird immer Probleme bereiten. Im Falle einer Vollbremsung werden sich die Lücken soweit wie möglich schließen und die Ladung kippt in Bremsrichtung.

Der Kippwinkel wird bei den letzten Paletten unter Umständen so groß sein, dass sie nicht mehr ohne weiteres abgeladen werden können.

Fallbeispiel mit Fässern

Am Beispiel einer Ladung Fässer lässt sich die Situation schön darstellen, obwohl Fässer nicht das kritischste Ladegut sind, weil sie in sich stabil sind.

Beim Bremsen verdichten sich die Abstände zwischen den Fässern und die Paletten fangen an zu kippen.

Von hinten (Heckseite) nach vorn zur Stirnwand, bzw. auf dem Bild von rechts nach links werden die Kippwinkel immer größer und je nach Situation könnte die letzte Fasspalette auch umkippen.

Das ist immer dann der Fall, wenn der Schwerpunkt der Ladeeinheit sich über deren Kippkante verlagert.

Instabile Ladegüter

Kritischer sind Ladegüter die instabil sind. Im Beispiel besteht die Ladeeinheit aus fünf Lagen Trays die im Säulenschema auf die Palette gepackt und mit Folie umwickelt sind.

Wegen der unzureichenden Folierung verhält sich jedes Tray wie ein separates Element mit eigenem Schwerpunkt und gibt der Beschleunigung, soweit es sich bewegen kann, nach.

Auf dem Bild ist zu erkennen, wie sich von links nach rechts der Verbund immer mehr auflöst.

Rieselfähiges Ladegut

Bigbags haben vergleichbare Eigenschaften, weil sie häufig rieselfähiges Material enthalten. Die Art und Weise, wie der Bigbag gefertigt ist, hat wesentlichen Einfluss auf die Transportstabilität.

Der Schüttwinkel des Ladegutes ist ein entscheidendes Maß für die Beurteilung der Situation. Je flacher der Schüttwinkel, desto kritischer ist die Angelegenheit.

Wer will, kann den Unterschied eindeutig erkennen, wenn er einen Becher Kaffeebohnen und einen mit Mehl nebeneinander auf die Küchenanrichte kippt.

Für die Selbstversuche übernehme ich keine Verantwortung.☺

Auf dem linken Bild ist gut zu erkennen, wie sich sehr rieselfähiges Ladegut während des Transportes verhält. Der Domino-Effekt lässt sich auf dem rechten Bild gut erkennen. Die Bigbags sind nach vorne gekippt, bis alle Lücken geschlossen waren.

Weitere Lösungsansätze

Ein weiterer Lösungsansatz wäre das Einbringen von Zwischensicherungen. Hier wieder am Beispiel von Fässern.

Dies setzt natürlich einen entsprechend tragfähigen Aufbau nach Code XL voraus und die Verfügbarkeit von Stahleinstecklatten und Sperrbalken.

Je nach Ladegut sollte nach jedem Drittel der Ladefläche eine Zwischensicherung eingebaut werden. Für eine Komplettladung wären etwa drei Sperrbalken erforderlich.

Ist die Ladung instabil, also Bigbags, Octabins, Paletten mit Trays usw., dann wäre es zweckmäßig, vor den Sperrbalken noch hochkant gestellte Paletten einzubringen, damit die Kraft über eine Fläche übertragen wird.

Die senkrechte Palette links dient als Lückenfüller, wenn die Lücken zwischen den Ladeeinheiten zu groß sind. Die rechte senkrechte Palette nimmt die Kraft aus der Ladung als Fläche auf und überträgt sie auf den Sperrbalken.

Fallbeispiel mit Octabins

Octabins sind wegen ihrer Konstruktion und Qualität oft nicht stabil genug, um einer Beschleunigung beim Bremsen Standzuhalten. Das kann u.a. darin liegen, das Deckel und Boden eine unterschiedliche Materialqualität haben und deren Verbindung zum Mantel nicht vorhanden oder zu schwach ausgelegt ist.