Der heutige Beitrag wird sich mit dem Thema „Schnallen“ beschäftigen. Das sind Produkte, welche in unterschiedlichsten Varianten in verschiedenen Bereichen u.a. Verpacken, Ladeeinheiten und Ladungssicherung, im Einsatz sind. Leider gibt es jedoch wenige Informationen dazu, falls doch, sind sie schwer zu finden und oft wenig aussagekräftig. Diesen Umstand versuche ich mit diesem Beitrag zu verbessern.
Zunächst die Frage, was ist eine Schnalle? Laute Wikipedia ist es ein Bügel mit einem oder mehreren Dornen. Die Dorne werden an einem Riemen befestigt. Durch diesen Bügel wird ein anderes Riemenende durchgeführt. Der Dorn werden durchgestochen oder durch vorhandene Löcher geführt, wodurch der Riemen gegen das Durchrutschen gesichert wird. Die meisten Hosengürtel funktionieren nach diesem Prinzip.
Schnallen sind seit der Römerzeit bekannt und ein wichtiges Fundstück in der Archäologie.
Durch ihre typischen Ausführungen lassen sie sich Bevölkerungsgruppen oder einem Zeitalter zuordnen.
Das ist für sich alleine ein interessantes Thema.
Bild Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Schnalle#/media/Datei:G%C3%BCrtelschnalle.JPG

Die wesentliche Eigenschaft einer Schnalle ist also die Verbindung zweier Riemen- oder Bandenden und deren Sicherung gegen Durchrutschen.
Diese Eigenschaft wird beim Verpacken, bei der Ladeeinheiten- und der Ladungs-Sicherung genutzt. Genau in diesen Bereichen werden jedoch auch Nachweise darüber gefordert, ob denn die Methode den auftretenden/zu erwartenden Kräften standhält. Es werden also zwei Elemente (Schnalle und Riemen) zu einem System verbunden, woraus sich der Begriff „Systemfestigkeit“ ergibt.
Wer sich die Mühe macht, z.B. mit dem Herrn Google zu recherchieren, wird schnell feststellen, dass viele Anbieter den Fragenden mit ungenauen Angaben oder Allgemeinplätzen alleine lassen. Was nützt die Aussage „um 50% besser“, wenn die Ausgangzahl zur Berechnung fehlt? Er wird sich fragen „und nun??“
Wir müssen deswegen verschiedene Begriffe, die in dem Zusammenhang wichtig sind, erläutern.
Bruchkraft (BS= Breaking Strength) = Bruchbelastung (BL): Das ist die maximale Kraft die erforderlich ist, um ein Bauteil zu zerstören oder bleibend zu verformen. Die Vorstufen zum Bruch sind häufig die elastische Dehnung und die bleibende Verformung.
Zurrkraft (LC= Lashing Capacity): Das ist die Kraft, mit der die auf Ladung einwirkenden Kräfte (z.B. durch Beschleunigungen) kompensiert werden können. Sie enthält immer einen Sicherheitsfaktor.
Einsatzfestigkeit (MSL= Maximum Securing Load): Das ist die Kraft mit der gerechnet werden muss, wenn für ein Bauteil nur die Bruchkraft angegeben ist. Die MSL enthält damit einen Sicherheitsfaktor für nicht vorhersehbare Situationen.
Auf Bauteilen (z.B. Spanngurte) bei denen ein Wert für die LC angegeben ist entspricht dieser der MSL
Systemfestigkeit: Das ist die maximale Kraft mit der gerechnet werden muss, wenn Bauteile mit unterschiedlichen Kraftangaben miteinander verbunden werden. Dabei ist zu prüfen, welches Bauteil den geringsten Kraftanteil darstellt. Das ist dann der Wert für die Systemfestigkeit. Ich möchte den Zusammenhang an ein paar Beispielen erläutern. Sie sind fiktiv.
Nehmen wir an, wir haben ein Ladegut von 1000kg das mit einem Gurtband auf dem Ladungsträger befestigt werden soll. Die Bruchlast (BS=BL) des Bandes beträgt 2.000daN beträgt.

Nach dem Flaschenzug-Prinzip könnte an beiden Enden mit 2.000daN gezogen werden.


Das Band soll mit einer Gurtschnalle verbunden werden, deren Bruchlast (BS) 3.000daN beträgt.

Für den Bereich der Ladungssicherung gibt es verschiedene Regelwerke. Das sind im Wesentlichen sind die VDI-2700ff (national) und der CTU-Code 2015 (international), welche sich zu dem Thema äußern.
Die beste Quelle ist der CTU-Code, vor allem, weil er öffentlich zugänglich ist. In der Anlage 7 Kapitel 2.4 „Zurrmaterialien und -einrichtungen“ finden sich genauere Informationen zum Thema. Das Kapitel 2.4.2 enthält eine Tabelle zum Verhältnis zwischen Bruchfestigkeit und MSL. Leider kommt in dieser Übersicht die Schnalle nicht vor. Man könnte sich jedoch mit den Vorgaben für Schäkel, Ringe oder Laschaugen anfreunden. Die MSL wird auf 50% der Bruchfestigkeit dieser Bauteile festgelegt.

Die MSL dieser Gurtschnalle mit einer BS=3.000daN würde also 1.500daN betragen. Die heißt die Systemfestigkeit, mit der gerechnet werden kann beträgt 1.500daN

Mit diesen Informationen im Hinterkopf muss nun im konkreten Fall geprüft werden, ob die tatsächlich auftretenden Kräfte, welche sich in Verbindung mit Beschleunigungen ergeben, kompensiert werden können. Eventuell könnten zwei solcher System notwendig sein, um die Ladeeinheit den Vorschriften gemäß korrekt zu sichern.
Leider ist die Kennzeichnung der Schnallen nicht allgemein geregelt. Jeder Hersteller hat seine Freiheiten. Wenn er z.B. die Werte für den geraden Zug mit 16kN und in der Umreifung mit 32kN angibt ist fraglich was er damit meint. Die LC, die BL oder die MSL? Hier sind die direkte Ansprache und das Klären der Angaben mit dem Hersteller bzw. Lieferanten angesagt.
Die Vorgaben der EN-12195-2 regeln nur die Kennzeichnung im Bereich der Spanngurte, aber nicht die Vielfalt der anderen Schnallen die im Verpackungs- und im Container-Bereich vorkommen.
Der Spruch: „Jeder Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied“ bringt es auf den Punkt.
Sollte einer der geneigten Leser eine Quelle für weitere Informationen kennen, möchte ich ihn freundlich bitten, mich teilhaben zu lassen. Dafür bedanke ich mich im Voraus.
Wie immer sollen meine Ausführungen die Thematik nur anreißen, aber nicht erschöpfend behandeln. Wer sich mit der Aufgabenstellung vertraut macht, wird vielleicht individuelle Lösungen finden, die einfacher und besser sind. Lediglich nichts tun erhöht das allgemeine Risiko während der Transportphase für alle Beteiligten. Das sollte unbedingt vermieden werden.
Packen Sie es an, es kann nur besser werden!

Sigurd Ehringer
✔ VDI-zertifizierter Ausbilder für Ladungssicherung ✔ Fachbuch-Autor ✔ 8 Jahre Projektmanager ✔ 12 Jahre bei der Bundeswehr (Kompaniechef) ✔ 20 Jahre Vertriebserfahrung ✔ seit 1996 Berater/Ausbilder in der Logistik ✔ 44 Jahre Ausbilder/Trainer in verschiedenen Bereichen —> In einer Reihe von Fachbeiträgen aus der Praxis, zu Themen rund um den Container und LKW, erhalten Sie Profiwissen aus erster Hand. Wie sichert man Ladung korrekt und was sind die Grundlagen der Ladungssicherung? Erarbeitet und vorgestellt werden sie von Sigurd Ehringer, Inhaber von SE-LogCon.
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