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Folge 72: Sprachbarriere in der Logistik- was tun?

Wer kennt nicht das Bild vom babylonischen Turm der, wegen des von Gott geschaffenen Sprach-Wirrwarrs, nicht fertig gebaut werden konnte?

Schaut man sich heute in der Logistik um, dann kommen einem doch viele Situationen bekannt vor und man fühlt sich an den Turmbau erinnert. Auch hier läuft das eine oder andere schief, weil die Sprachbarriere vorhanden ist und nur wenige packen das Problem an und suchen nach Lösungen. Es gibt nicht „die“ Lösung, sondern nur Methoden die sich jede Firma anschauen sollte, um eine passgenaue Variante zu übernehmen. Im Folgenden möchte ich dazu ein paar Gedanken und Hinweise entwickeln.

Kein Unternehmen kommt heute noch ohne Mitarbeiter aus, deren Muttersprache nicht deutsch ist.

Ein erster Ansatz wäre also festzustellen, welche Muttersprachen in der eigenen Firma, und zwar auf allen Ebenen, sowieso schon vorhanden sind. Sie werden über die Anzahl erstaunt sein. Damit ist ein Grundstock für die Problemlösung schon vorhanden. Wer die Muttersprache spricht tut sich leichter als irgendeine Übersetzungs-App, weil das Problemverständnis mit ins Spiel kommt.

Der zweite Ansatz wäre den Bereich einzugrenzen, in dem die Sprachbarriere abgebaut oder reduziert werden soll. Nicht jedes Mittel/Methode ist für jeden Bereich geeignet. Wo vor Ort die digitalen Mittel begrenzt oder nicht vorhanden sind, kann auch keine digitale Lösung ansetzen.

Der dritte Ansatz ist die Prozessbeschreibung für die eine Sprachvermittlung erarbeitet werden soll.

Die Hauptarbeit besteht darin, den Prozess so in dünne Scheiben zu zerlegen, dass er in einfachen, kurzen Sätzen dargestellt werden kann. Im Idealfall werden diese dünnen Scheiben durch Bilder oder Grafiken ergänzt nach dem Motto, ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Es kann Sinn machen, einzelne Schritte gezielt darzustellen und zu fotografieren, damit der Anwender den Sinn der Anweisung erkennen kann. Es ist dabei wichtig Mitarbeiter einzubinden die prozessfremd sind, um zu vermeiden, dass gedankliche Abkürzungen entstehen, weil dem Entwickler der Prozess vertraut ist.

Die einzelnen Schritte (=dünne Scheiben) müssen logisch aufeinander aufbauen und zu einem nachprüfbaren Ganzem führen. Das gilt für alle Bereiche unabhängig von der Thematik.

Als Anregung für diese Methode möchte ich das nebenstehend abgebildete Buch nennen. Dazu zwei Auszüge daraus.

Der Prozess des Verladens besteht aus einzelnen Schritten/Maßnahmen.

Die linke Spalte ist der deutsche und die mittlere der fremdsprachige Text. Die dritte Spalte beinhaltet das dazu passenden Bild.


Der Text lässt sich zu verschiedenen Varianten mit dem gleichen Bild kombinieren.

Für eine weitere Fremdsprache muss lediglich die mittlere Spalte aktualisiert werden.


Die einfachen Texte können von den in den Betrieb integrierten Mitarbeitern übersetzt werden. Also ein vergleichsweise geringer Aufwand.

Hier ein weiteres Beispiel, um die Fahrer zum richtigen Verhalten auf dem Firmengelände anzuhalten.


In diesem Falle wird die gesamte Anweisung in verschiedenen Sprachen dargestellt und dem Fahrpersonal an der Pforte übergeben.

Es geht also nicht darum, darauf zu warten bis einem die perfekte Lösung einfällt, sondern das Problem anzupacken und einen Lösungsansatz zu entwickeln, der dann in mehreren Runden verbessert werden kann.

Eine 90%-Lösung ist besser als ewig auf die „göttliche Eingebung“ für die 110%-Lösung zu warten.

Das Einbinden der Mitarbeiter hat auch den Vorteil, dass sie motiviert werden im Sinne des Unternehmens zu denken und an der Lösung mitzuarbeiten.

Verbesserungen/Änderungen sind jederzeit schnell machbar, weil die Mitarbeiter verfügbar sind und keine externen Zeitplanungen berücksichtigt werden müssen.

Wie immer sollen meine Darstellungen die Thematik nur anreißen, aber nicht erschöpfend behandeln. Wer sich mit der Aufgabenstellung vertraut macht, wird vielleicht Lösungen finden, die einfach und besser sind. Lediglich nichts tun erhöht das allgemeine Risiko während der Transportphase für alle Beteiligten und das sollte unbedingt vermieden werden.

Packen Sie es an, es kann nur besser werden!

Ihr Sigurd Ehringer

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